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Heraldik - Begriffsklärung und Erläuterungen

Die folgenden Texte sind der MS-Encarta '97 entnommen.

 

Heraldik

 

(von französisch science héraldique: Heroldskunde), ursprünglich die vielen Pflichten und Funktionen eines Herolds. Dazu gehörte neben der Aufgabe, bei Ritterturnieren die Waffen zu prüfen, auch das Ersinnen und die Verleihung von Wappenschilden und Wappen. Heutzutage steht der Begriff "Heraldik" für Wappenkunde und Wappenkunst. Die Wappenkunde hat eine ihr eigene Sprache, die nachfolgend im Einzelnen vorgestellt wird.

 

Geschichte

 

Schon in der Antike wurden symbolische und ornamentale Formen als Stammes- oder Hoheitszeichen verwendet. Die Römer z. B. verwendeten den Adler und die Franzosen zunächst den Löwen und später die Lilie. Im Zeitalter des Feudalismus, als es für einen Ritter, dessen Gesicht vom Visier seines Helmes verdeckt war, notwendig wurde, auf größere Entfernung erkannt zu werden, begann man damit, auf Schilden und Bannern persönliche Wappenbilder zu tragen. Der ursprüngliche Verwendungszweck des Wappens zur Kennzeichnung von Personen im Kampf entwickelte sich zu einem komplexen System ererbter Kennzeichnung des sozialen Status.

 

Die Gestaltung der Wappen

 

Ein Wappen besteht aus folgenden Bestandteilen: Schild, Helm, Helmzier, Devise, Mantel, Schildhalter und Wulst (oder Kranz). Von all diesen Bestandteilen ist der Schild der wichtigste. Das vollständige Ensemble wird Vollwappen genannt.

 

Der Begriff escutcheon ist vom französischen écusson abgeleitet, der für einen Schild mit darauf abgebildeten Wappen steht, im Gegensatz zu einem leeren Schild. Meist hat er die Form eines herkömmlichen Schildes, außer beim Wappen eines Mannes der Kirche, dort ist er oval, und bei den Wappen von Damen, diese haben Rautenform. Um die Beschreibung von Schilden zu erleichtern, teilten die Herolde den Schild von oben nach unten in drei Bereiche ein - Schildhaupt, Querbalken und Schildfuß - und von links nach rechts (vom Träger aus) in dexter (heraldisch rechts), Mitte oder Pfahl und senestre (heraldisch links). Auf dem Schild befinden sich Wappenbilder, oder Figuren, die in Tinkturen oder Farben dargestellt werden.

 

Der Begriff Tinktur beinhaltet die Darstellung von Metallen, Farben und Pelzen. Die zwei gebräuchlichen Metalle sind Gold und Silber. Ersteres wird mit gelber Farbe, das Letztere mit weißer Farbe dargestellt. Bei Schwarzweißzeichnungen oder Gravierungen wird Gold durch Weiß mit kleinen schwarzen Punkten getüpfelt dargestellt, während Silber glattweiß erscheint. Die Hauptfarben sind Rot, Blau, Schwarz, Grün und Purpur. Eine Figur, die heraldisch in der natürlichen Farbe des Objekts dargestellt ist, wird naturfarben genannt. Die dargestellten Pelze sind Hermelin und Feh (Pelz des russischen Eichhörnchens). Dargestellt werden die Farben und Pelze in Zeichnungen durch herkömmliche Schraffierungen und Figuren.

 

Figuren

 

Die auf dem Schild abgebildeten Figuren werden unterteilt in einfache Heroldsstücke, untergeordnete Wappenbilder und gemeine Figuren. Das Feld oder der Hintergrund eines Schildes kann zwei oder mehr Tinkturen haben und von einem oder mehreren Teilungsschnitten geteilt sein. Ein senkrecht geteilter Schild ist gespalten, oder der Länge nach geteilt. Wird er senkrecht und waagerecht geteilt, dann nennt man ihn geviert oder kreuzweise geteilt. Wird einer der Abschnitte wieder geviert, dann heißt der ursprüngliche Abschnitt Großes Quartier. Ein von einem Schrägkreuz (durch zwei sich kreuzende Diagonalen in vier Teile geteilt) oder von einem Kreuz geteilter Schild wird Achterständerkreuz genannt, und jeder Abschnitt ist ein Ständer. Wird der Schild vollständig in eine Anzahl gleicher Abschnitte geteilt, von einem Pfahl, einem Schrägbalken, einem Balken oder einem Sparren (siehe unten), dann heißt er Pfahlschild, Schrägbalkenschild, Balkenschild oder Sparrenschild.

 

Ein Feld, das durch senkrechte und waagerechte Teilungsschnitte geteilt ist, nennt man geschacht, und eines, das durch sich überschneidende Diagonalen geteilt ist, nennt man gesteint oder gerautet. Ist ein Feld mit einer unbestimmten Anzahl von kleinen Figuren bestreut, so dass ein Muster erzeugt wird, sagt man, dass es mit diesen Figuren besät ist. Ist ein Feld mit einem offenen Netz von sich diagonal überschneidenden Streifen bedeckt, dann handelt es sich um einen Schild mit Schräggitter.

 

Einfache Heroldsstücke

 

Das sind einfache geometrische Figuren, die durch gerade Linien oder durch unregelmäßig geformte Teilungsschnitte dargestellt werden. Zu den geraden Linien gehört der Pfahl, ein senkrechter Streifen; der Querbalken, ein waagerechter Balken in der Mitte des Schildes; der Balken, eine waagerechte Linie; der Schrägbalken, ein diagonaler Streifen; und der Sparren, zwei diagonale Streifen, die sich in einem Winkel, der mit der Spitze nach oben zeigt, treffen. Zu den wichtigen einfachen Heroldsstücken gehören des Weiteren verschiedene Kreuze. Die unregelmäßigen Teilungsschnitte haben spezielle Muster, die Dornenschnitt (oder eingekerbt), Wellenschnitt, Schuppenschnitt (oder ausgekerbt), geästet, Schwalbenschwanzschnitt, Zinnenschnitt und Krückenschnitt genannt werden.

 

Untergeordnete Wappenbilder

 

Die Einfassung eines Schildes wird oft als einfaches Heroldsstück angesehen. Sie besteht aus einem Streifen, der den Schild umgibt, und der oft kleine Figuren beinhaltet. Der Umzug ist eine schmalere Umrandung, die die Ränder des Schildes nicht berührt. Die Verkleinerungsform des Umzugs ist die innere Einfassung, die normalerweise aus zwei Linien besteht und oft mit Lilien verziert ist.

 

Das Quartier ist der rechte Hauptplatz des Schildes. Nimmt die Figur weniger als ein volles Quartier des Schildes ein, dann nennt man sie Feld, und wird das Quartier oder das Feld durch einen Schrägbalken geteilt (diagonal), dann heißt jedes Dreieck Ständer.

 

Flanken sind die rechten und linken Seiten des Schildes, die durch gebogene Linien abgetrennt sind.

 

Die Raute ist eine diamantförmige Figur mit vier gleichen Seiten. Ist eine Raute leer, d. h. nur im Umriss mit der Tinktur des Feldes nach innen zeigend dargestellt, nennt man sie offene Raute. Ist sie von einer runden Öffnung durchbohrt, wird sie rund durchlochte Raute genannt. Eine der Raute ähnliche Figur, die aber gestreckter ist, wird Spindel genannt.

 

Ein auf dem Schild abgebildeter kleiner Schild heißt Herzschild oder Mittelschild; er kann mit Figuren bemalt oder leer sein. Eine Schindel ist eine kleine rechteckige Figur, die zweimal so hoch wie breit ist.

 

Zu den Figuren, die von einigen als untergeordnete Wappenbilder und von anderen als gemeine Figuren angesehen werden, gehören das Gabelkreuz und die Kugel. Gabelkreuze sind Y-förmige Figuren, die die vom Papst oder von Erzbischöfen verliehenen Insignien darstellen. Kugeln sind runde Figuren, die entsprechend ihren Tinkturen durch verschiedene Namen unterschieden werden: sind sie golden, heißen sie Besant, die silbernen heißen Plate, die roten Torteau, die blauen Hurte, die purpurfarbenen Golp, die grünen Pomme, und die schwarzen heißen Pellet oder Ogress. Eine Kugel ohne Tinktur wird als Ring bezeichnet.

 

Gemeine Figuren

 

Gemeine Figuren sind herkömmliche Darstellungen von bekannten Objekten, die in manchen Fällen die Geschichte oder den Charakter einer Einzelperson oder einer Familie porträtieren. Öfter jedoch enthalten sie eine Anspielung auf den Familiennamen. Dann spricht man von redenden Wappen. Eine der bedeutendsten gemeinen Figuren ist der Löwe. Auf dem Siegel (1164) von Philipp I., Herzog von Flandern, erscheint eine frühe Wappendarstellung des Löwen. Später wurde er von den Herrschern Englands, Schottlands und anderer europäischer Nationen übernommen. Die früheste Position des heraldischen Löwen war steigend, d. h. auf- und nach rechts gerichtet, mit nur einer Pfote am Boden. Ähnlich der steigenden ist die springende Position, nur dass beide Hinterpfoten den Boden berühren. Ein nach rechts laufendes Raubtier ist schreitend und ein gejagtes Tier, z. B. ein Hirsch, ist äsend. Ein kauerndes Tier ist mit erhobenem Kopf liegend, und schlafend ist es, wenn der Kopf auf den Vorderpfoten liegtdann ist es hersehend, schaut es hinter sich, ist es widersehend. Zwei steigende Löwen, die einander gegenüberstehen, werden kämpfend genannt, stehen sie mit den Hinterteilen aneinander, heißt das Rücken an Rücken. Oft sind Löwen oder andere Tiere gekrönt oder mit einer Wulst oder einem Kranz als Halsband geschmückt.

 

Weitere Tiere, die als Wappenbilder verwendet werden, sind der Bär, der Bulle, der Eber, der Hirsch, die Ziege, der Hund, der Fuchs, das Pferd und der Igel, und manchmal auch der Elefant, das Kamel, der Maulwurf, der Affe, die Katze und die Maus. Gebräuchliche Vögel sind der Adler und der Falke. Des Weiteren werden Darstellungen sagenhafter Tiere, beispielsweise des Greifes, des Einhorns, des Drachens und des Basilisken verwendet.

 

Viele Wappenbilder stellen Gegenstände dar, die mit dem Stand oder der Tätigkeit der Person in Zusammenhang stehen, z. B. Schwerter, Pfeil und Bogen, Helme, Streitäxte und Speerspitzen bei Rittern, Mitren und Krummstäbe bei Bischöfen und Äbten. Die von Strahlen umgebene Sonne wird als "in ihrem Glanz" (strahlend oder flammend) angesprochen und wird normalerweise mit einem menschlichen Gesicht dargestellt. Als Halbmond mit nach oben zeigenden Enden wird der Mond dargestellt. Zeigen die Enden nach dexter (rechts), dann wird er zunehmend genannt, zeigen sie nach senestre (links), nennt man ihn abnehmend. Selten wird der fünfzackige Stern verwendet. Der übliche Stern hat sechs (wellige) Strahlen.

 

Äußere Verzierungen

 

Die Helmzier ist das älteste Wappenelement. Sie wurde von den Kriegsführern im antiken Griechenland und Rom getragen und diente nicht nur als Rangsymbol sondern auch als deutlich sichtbares Kennzeichen in der Schlacht, um das sich die Soldaten versammeln konnten. In der Heraldik wird die Helmzier als auf der Spitze des Helmes angebracht dargestellt. Ihr Fuß ist von einem Kranz umwunden, einem Reif aus gewundenen Bändern, der in den Hauptmetallen und Farben des Schildes tingiert (eingefärbt) ist.

 

Die Devise, ursprünglich der Schlachtruf des Trägers, ist heute eine Redewendung oder ein Satz, der auf die Familie, die Wappen oder die Helmzier anspielt. Sie befindet sich in einer Schriftrolle über der Helmzier oder unterhalb des Schildes.

 

Der Wappenmantel war ursprünglich eine Darstellung eines Kleidungsstückes, das den Helm vor der Hitze der Sonne schützte. Dann nahm er mehr dekorativen Charakter an und wurde gewöhnlich in den Hauptfarben des Schildes dargestellt.

 

Die Schildhalter sind Figuren, normalerweise Menschen oder Tiere, die auf beiden Seiten des Schildes angebracht sind. Anfangs waren sie reine Zierde, später aber wiesen sie auf das Oberhaupt einer vornehmen Familie hin.

 

Der Kranz, die kleine Krone und die Mitra sind Bestandteile von Wappen von Personen, die berechtigt sind, diese zu tragen. Des Weiteren wird jede Amtskette oder jedes Ordensband, auf das der Träger Anspruch hat, im Vollwappen richtig dargestellt. Die Amtskette umschlingt den Schild, Bänder hängen von ihm herab.

 

Blasonierung

 

Im Mittelalter war es in Turnieren die Pflicht des Herolds, von der Ankunft eines unbekannten Ritters mit einem Trompetensignal zu künden, und dann der Menge die Wappen auf dem Schild des Ritters zu beschreiben. Abgeleitet von dieser Praxis entstand der Begriff Blasonierung für die genaue und spezifische Beschreibung eines Wappens.

 

Bei der Beschreibung eines Vollwappens wird zuerst der Name der Person, des Reiches oder der Institution, die das Wappen trägt, genannt. Dann erfolgt die Blasonierung des Schildes, wobei zunächst das Feld beschrieben wird, mit Erläuterung seiner Tinkturen und der Form und Richtung seiner Teilungsschnitte. Es folgt die Beschreibung der Wappenbilder, beginnend mit dem Hauptwappenbild, von dem man annimmt, dass es sich in der Mitte des Schildes befindet, wenn es nicht anders angegeben wird. Im Allgemeinen werden zuerst die Heroldsstücke angegeben.

 

Werden zwei gleiche Wappenbilder erwähnt, dann sind sie pfahlweise angeordnet, d. h. in senkrechter Linie, außer wenn es anders angegeben wird. Drei Wappenbilder sind im verkehrten Dreieck angeordnet, zwei oben und eins unten. Ein Heroldsstück kann ein Wappenbild des Feldes überlagern und teilweise verdecken. In einem solchen Fall wird zuerst das Wappenbild genannt. Entsprechend den heraldischen Gepflogenheiten wird eine Wiederholung vermieden: Wiederholt sich eine Tinktur in einer Beschreibung, wird die Formulierung "der ersten" oder "der zweiten" (erwähnten Tinktur) oder "des Feldes" eingesetzt, um die Wiederholung einer Zahl zu vermeiden, benutzt man die Formulierung "genausoviele".

 

Wappenbesserungen

 

Seit den Anfängen der Heraldik hat nur das Familienoberhaupt das Recht, das vollständige väterliche Wappen unverändert zu vererben. Abkömmlinge der Familie bessern (ändern) ihre Wappen, indem sie bestimmte Tinkturen ändern oder Wappenbilder austauschen, z. B. drei fünf- oder sechszackige Sterne gegen drei Schindeln.

 

Arrangement der Wappen

 

In der frühen Heraldik war es üblich, nicht mehr als ein Wappen auf einem Schild darzustellen. Wenn jedoch die Ehefrau eine Erbin war (d. h., wenn sie keine Brüder hatte und deshalb Anspruch auf das Erbe des väterlichen Wappens hatte), dann wurden manchmal die Wappen von Ehemann und Ehefrau nebeneinander auf separaten Schilden dargestellt. Dieser Vorgehensweise folgte die Halbdarstellung, bei der beide Schilde der Länge nach geteilt wurden und die dexter Seite des einen mit der senestren Seite des anderen verbunden wurde. Der Halbdarstellung wiederum folgte die Verbindung zweier Wappen durch einen Pfahl, bei der beide Wappen vollständig in den Hälften eines der Länge nach geteilten Schildes gezeigt wurden.

 

Die Blasonierung verschiedener Wappen auf einem waagerecht und senkrecht geteilten Schild nennt man Vierung (Quadrierung). Die erste bekannte Vierung war die der Reiche von Kastilien und León um 1270. Die Abschnitte auf dem Feld werden Quartiere (Wappenfelder) genannt und werden vom rechten Obereck zum linken Untereck gezählt. Um ihr Herrschaftsgebiet zu zeigen, vieren Herrscher ihre Schilde. Manchmal werden mehr als 20 Wappen auf einem Schild dargestellt. Jedoch ist die Darstellung der Abstammung von Erbinnen, die in die Familie eingeheiratet haben, der häufigste Grund für die Vierung. Bei einer einfachen Vierung wird das väterliche Wappen im ersten und vierten Quartier gezeigt, das Wappen mütterlicherseits im zweiten und dritten. Nach vielen Generationen können das dritte und vierte Quartier auch von den Wappen einer zweiten oder dritten Erbin besetzt werden. Ist das Wappen der Erbin bereits geviert, wird es vollständig in das entsprechende Quartier gesetzt. Die Wappen einiger europäischer Familien weisen bis zu 30 auf einem Schild angeordnete Wappen auf.

 

Wappenrecht

 

Familienwappen können auch heute noch im deutschsprachigen Raum ohne größere Einschränkungen angenommen werden. Solche Wappenschöpfungen wurden zu Beginn der Heraldik durch Siegel, ab dem 13. Jahrhundert durch handschriftlich geführte, ab dem 16. Jahrhundert durch gedruckte Wappenbücher in ihrer Priorität geschützt. Auch Adels- und Wappenbriefe dienten und dienen dem Nachweis der Priorität. Bis zum Ende der Monarchie wurden sie von den jeweiligen Landesfürsten verliehen. Familienwappen können heute auf Grundlage des Handelsgesetzbuches als geschütztes Warenzeichen einer Firma eingetragen werden. Die staatlichen Wappen der Bundesrepublik Deutschland, Österreichs und der Schweiz sind als Hoheitszeichen durch entsprechende Gesetze gegen Beleidigung und Missbrauch geschützt.


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